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Er starb für Deutschland

Von Henning Helmhusen

Wie lange hatte ich Heinz-Rudi nicht mehr gesehen? Das konnten fünf oder sogar zehn Jahre gewesen sein. Und auf den ersten Blick kam es mir so vor, als wenn er sich kaum verändert hätte. Vielleicht etwas weniger Haare, ein paar Falten, aber dieselbe Hornbrille, die ihm nie ganz das gewünschte Aussehen eines Intellektuellen gegeben hatte.

In mehr als seinem Aussehen schien sich Heinz-Rudi auch wirklich treu geblieben zu sein. Noch gut in Erinnerung waren mir seine Tiraden über das krankmachende Fast-Food. Und so schlug ich ihm scherzhaft vor, amerikanisch essen zu gehen: "Ich kenne da um die Ecke ein sehr gutes McDonald's. Urgemütlich und sehr nette Bedienung."

Heinz-Rudi war ganz der alte: "Ami-Fraß! Das ist wirklich das letzte. Sowas würde ich nie essen!" Ich musste unwillkürlich über seine Pawlowsche Reaktion lachen und versuchte ihn mit einem Vorschlag zu versöhnen, bei dem er früher sofort mitgezogen hätte: "Gut, dann lass uns eben einen Döner essen."

Wenn ich Heinz-Rudi in seinen verwickelten Gedankengängen je durchschaut habe, dann mochte er eigentlich nie Kebab. Aber er konnte stundenlang darüber dozieren, wie schlecht die Türken doch von "uns" behandelt würden und dass sie von daher jede Unterstützung und sei es bei der Karikierung ihrer Esskultur gebrauchen könnten.

Umso erstaunter war ich über seine Reaktion: "Türken-Fraß! Das ist ja noch schlimmer als McDonald's!" Ich musterte Heinz-Rudi. Er hatte kräftig abgenommen, und so vermutete ich sein Problem zuerst beim Kalorienzählen. Doch auch Pizzas, Paellas und selbst die leichte vietnamesische Küche stellten sich als Teufelszeug in seiner Einschätzung heraus.

"Was denn sonst?" fragte ich schließlich verzweifelt. "Für mich kommt nur deutsche Küche in Frage", antwortete er mir vorwurfsvoll: "Ich hasse es, wie die liberalistischen Globalisierer unser Essen kaputtmachen. Weißt Du eigentlich, wieviele Arbeitsplätze dadurch für die Volksgemeinschaft verloren gehen?"

Volksgemeinschaft? Ich merkte auf. Das war ein Begriff, den Heinz-Rudi früher sofort seiner Antifa-Gruppe gemeldet hätte. Früher, als sein Herz immer für die "unterdrückten Massen des Trikonts" oder die "Arbeiter" schlug, wobei das letztere besonders ironisch aus seinem Mund klang. Sein Vater hatte ihn nämlich aus Reue über eine bittere Scheidung mit Geld zugeworfen, und so kannte Heinz-Rudi das Arbeiten nur vom Hörensagen oder aus Karl Marx.

"Nun, dann gehen wir eben in die 'Haxe'. Das ist eine gutbürgerliche Imbissstube", schlug ich vor, wobei ich das 'bürgerlich' in 'gutbürgerlich' deutlich betonte, aber gleich merkte, dass er darauf nicht ansprang. Stattdessen war er plötzlich voll des Lobs: "Ich hätte nie gedacht, dass Du etwas für unser Volk übrig hast. Aber man soll ja nie die Hoffnung aufgeben. Lass uns gehen!"

In der 'Haxe' war meine Wahl schnell getroffen. Da ich nicht viel Hunger hatte, bestellte ich mir eine Currywurst, und empfahl Heinz-Rudi dasselbe. Heinz-Rudi war empört. Wie sich herausstellte, hielt er Currywurst nämlich für das indische Nationalgericht, und das könne er unter keinen Umständen mit seinem Gewissen vereinbaren. Gyros schied aus ähnlichen Gründen als zu griechisch aus, genauso wie Krautsalat oder Tzaziki.

"Ich werde eine große Pommes mit Ketchup und Majo nehmen", verlautete Heinz-Rudi schließlich nach langem Studium der über Kopf angebrachten Speisekarte. "Wie kannst Du nur?" fuhr ich ihn mit gespielter Entrüstung an: "Pommes kommen aus Belgien, Ketschup aus Amiland, ja ursprünglich sogar aus Südostasien und Majo direktemang vom Erbfeind aus Frankreich. So können wir unser geliebtes Vaterland gleich vergessen!"

Heinz-Rudi war aufgewühlt: "Ja, Du hast irgendwie schon recht, das wäre sehr antideutsch von mir. Ich nehme was anderes. Einen Schaschlikspieß --", er hielt inne: "Nein, keinen Schaschlikspieß. Aber vielleicht eine Portion Kartoffelsalat." Ich lächelte ihn nachsichtig an: "Kartoffelsalat? Dir ist doch hoffentlich bewusst, dass die Kartoffeln von den Globalisierern aus Südamerika eingeschleust wurden, um das deutsche Essen zu zerstören."

Die Speisekarte ging nun bedenklich zur Neige "Ich glaube, ich werde nur etwas trinken", kam er endlich zu einem Entschluss. "Eine Cola?" neckte ich ihn. "Bäh, keine Ami-Brause. Ein Bier ist aber national korrekt." Ich schüttelte den Kopf: "Du spinnst wohl. Das Bier war schon bei den alten Ägyptern bekannt. Wenn Deutschland so weitermacht, steht bald an jeder Straßenecke ein Minarett." Wieder eine lange Pause. "Ich nehme ein Glas Wasser", wandte er sich schließlich an den Wirt: "Aber bitte nur heimisches Leitungswasser und kein Perrier oder Evian!"

Etwa drei Wochen später erreichte mich die Nachricht, dass Heinz-Rudi verhungert war. Ein allgemeines 'nihil nisi bene' brach daraufhin aus. Auch ich konnte mich dem nicht entziehen und schrieb in sein Kondolenzbuch: "In einer Zeit, in der der Egoismus immer mehr um sich greift, war Heinz-Rudi einer der letzten, der nach der Maxime lebte 'Du bist nichts, Dein Volk ist alles'. Er starb für Deutschland."

 

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