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Wir sind Kaiser

Deutschland im Spätsommer 2005. Die Straßen Berlins sind festlich geschmückt ­ Fahnen mit dem Konterfei des neuen Regenten hängen aus den Fenstern, Fähnchen schwenkende Menschen säumen die Fahrbahn, Kinder mit Blumensträußen an vorderster Front. Jubel bricht aus, als die Fahrzeugkolonne anrollt.

Huldvoll winken der Machthaber und seine Gattin ihrem Volk aus dem offenen Wagen zu. Kaum sichtbares Panzerglas schützt sie vor allzu heftigen
Sympathiebekundungen. Am Brandenburger Tor stoppt die Kolonne. Ein große Bühne ist direkt darunter aufgebaut. Nach dem Verlassen des Fahrzeugs beugt das Staatsoberhaupt sich hinunter zu einem blond bezopften Mädchen, hebt es hoch und küsst es auf die Wange. Die Wange ist ganz rot, als endlich alle Fotografen ihr Bild haben. Der Regent schreitet die Stufen zum Rednerpult empor. Die Gattin hält sich dezent im Hintergrund.

"Hier an dieser Stelle, die noch vor nicht allzu langer Zeit die Brüder und Schwestern in unserem Land durch eine unüberwindlich scheinende Mauer trennte. Hier an diesem Ort, an dem sie sich schließlich nach jahrzehntelanger Trennung jubelnd in die Arme fielen, will ich den Festakt zur Vollendung unserer inneren Einheit vollziehen. Den Menschen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben ­ Ihnen, meine Damen und Herren ­, danken. Danken,
dass Sie mich durch die Ernennung in mein Amt in die Lage versetzt haben, unserem wunderbaren Land das zurückzugeben, was es so lange entbehrenmusste: Eine starke Führung.

Ja, ich gestehe Ihnen ganz offen, dass ich Bedenken hatte, ob ich dieser großen Verantwortung gewachsen sei. Doch die verzweifelten Hilferufe, die mich aus Regierungskreisen erreichten, erschütterten mich zutiefst. Konnte ich diese Last jemand anderen tragen lassen? Gar auf die Schultern einer schwachen Frau laden? Oder auf Sie, verehrte Bürgerinnen und Bürger? Nein! Wie könnte ich vor Gott, den Allmächtigen treten, wenn er mich zu seinem Werkzeug auserkoren hat und ich mich verweigerte? Drum, liebe Menschen und Mitmenschen, seien Sie versichert, dass ich alles in meiner Macht stehende tun werde, um Sie in Zukunft vor unnötigen Belastungen durch Partizipation am politischen Geschehen zu befreien. Ich verspreche Ihnen hier und heute: Nie wieder Wahlen!"

Die Menge jubelt, die wild geschwenkten Fähnchen knattern wie Maschinengewehre, die Kinder werfen ihre Blumensträuße in die Luft.

© Susanne Henke

 

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