Gewinner des Bad Taste Press Award 2005
17.01.2008
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von Henning Helmhusen

Mit Entsetzen nahm die deutsche Öffentlichkeit das Massaker im Nürnberger Zoo auf, bei dem eine Eisbärin ihre beiden Jungen auffraß. Und kaum war der Schreck verdaut, da ging es schon Schlag auf Schlag weiter: eine andere Eisbärin im gleichen Zoo misshandelte vor laufender Kamera ihr Neugeborenes. Nur mit Mühe konnten Tierpfleger das knuddelige Wollknäuel aus den Klauen seiner Mutter retten. Jetzt bangt das Fernsehpublikum bei „Deutschland sucht den Babynamen“ um das Wohl des Eisbärenkindes.

Nur einer schien sich über all das zu freuen: Roland Koch. Er witterte sofort ein Thema, um seinen Wahlkampf in Schwung zu bringen. Es könne nicht angehen, dass derart unsichere Zustände in deutschen Zoos herrschten. Und überhaupt hätten die meisten Eisbären eindeutig einen Migrationshintergrund. Nach seinem Wissen habe keiner bisher die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt, was aber aus politischer Korrektheit nicht in den Statistiken festgehalten werde. Würde man alle gewalttätigen Tiere in die freie Wildbahn abschieben, so ließe sich die Kriminalität in Zoos drastisch reduzieren.

Eher nachdenkliche Töne hingegen von der Mutter der Nation, Ursula von der Leyen. Sie regte verpflichtende Untersuchungen für alle Zootiere an, am besten im Wochenrhythmus.

Außerdem solle ein Bundeszootieramt installiert werden, und es müsse jetzt auch viel ernsthafter über einen „Eisbärelternführerschein“ nachgedacht werden. Das ist Roland Koch aber alles viel zu wenig. In einer Pressekonferenz legte er gestern noch einmal nach: „Deutschland braucht ein Tierstrafrecht, und das muss sofort verschärft werden.“

Von der SPD kamen kritische Töne zur neuen Kampagne des Koalitionspartners. Schließlich gebe es bereits Gesetze gegen Tierquälerei, die nur konsequenter angewendet werden müssten. Raubein Peter Struck kommentierte die animalistischen Forderungen des hessischen Ministerpräsidenten deshalb mit den Worten: „Koch kann sich mal auf Eis legen“, während Politpoet Hubertus Heil die Affäre scharf geißelte: „Herr Koch will uns hier wohl einen Bären aufbinden.“ Wie die Sozialdemokraten betonen, vernachlässigt die derzeitige Diskussion völlig die soziale Dimension. Eisbären seien eine soziale Randgruppe und würden oft mit Hungerrationen abgespeist. Viel wichtiger als härtere Strafen sei deshalb ein Mindestlohn für Zootiere und eine bessere Ausstattung der Gehege mit Kickertischen.

Die Grünen verwiesen ihrerseits darauf, dass die Katastrophe hätte vermieden werden können, wenn Eisbären zu Vegetariern umerzogen würden. Auch die Gentechnik spiele keine unwichtige Rolle, wie der rot-weiß gestreifte hessische Löwe zeige, in dessen Zeichen der Wahlkampf stattfinde. Radikalere Töne kamen hingegen von den Rändern des politischen Spektrums. Während die NPD „deutsche Zoos“ forderte, in denen nur einheimische Tierarten (Werwölfe, Adler mit Flügellähmung) zu sehen sein sollten, pochte Oskar Lafontaine von der Linkspartei auf einheitliches Futter und gleiche Rationen für sämtliche Zootiere, um so endlich allen gerecht zu werden. Nur auf diese Weise könnten die sozialen Spannungen beseitigt werden, die bisher immer zu Krieg und Faschismus geführt hätten.

Dem breiten Publikum bleibt nur zu hoffen, dass die Hitzigkeit der Debatte zu keinen überhasteten Gesetzesvorhaben führt. Schließlich ist der Sicherheit in unseren Zoos am besten mit einem Kompromiss gedient, der Elemente all dieser für sich genommen sinnvollen Vorschläge aufnimmt. Die Eisbärenbabys werden es uns in einem späteren Leben noch einmal danken!

Hip Hop für Unternehmer

von Linda Hambacher

Längst sind Rap und Hip Hop kein Phänomen einer kleinkriminellen Gangsta-Subkultur mehr, sondern in der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft angekommen. Immer mehr Geschäftsleute und Unternehmer fühlen sich nun berufen, Probleme aus ihrem Büroalltag sowie ihre wirtschaftsfreundliche Weltsicht in Verse zu gießen und per Sprechgesang darzubieten. Der "Business Rap" ist ein relativ junges Genre, das immer größeren Zulauf findet. Die rappenden Unternehmer grenzen sich dabei immer mehr von den "Asi-Rappern" aus dem urbanen Ghetto-Milieu ab. "Office credibility" ist das neue Schlagwort, wenn es darum geht, als Business Rapper glaubwürdig rüberzukommen. stellt Ihnen einige der vielversprechendesten Business Rapper und ihre Texte vor.

Businessido

Der dynamische Produkt-Manager aus Bergisch-Gladbach thematisiert die Anfeindungen, denen seiner Meinung nach die "Säulen der Gesellschaft", nämlich Unternehmer und Arbeiter, ausgesetzt sind. In seinen Texten "disst" er alle, die zu faul oder zu kriminell zum arbeiten sind.

"Unternehmer" (von Businessido)

Du schuftest ganze sieben Tage in der Woche
Dein krasses Leben ist bloß harte Maloche
Die Sekretärin sieht das nicht, sie ist ne doofe Bitch
Sie hält dich für’n Ausbeuter, für nen Neoliberalen
Ein Geizhals, der ihr nicht will genug bezahlen
Doch von deiner Kohle, was die Bitch nicht sieht,
haben alle was, ohne zu wissen, wie ihnen geschieht.
Denn was würden die Leute tun, die den Mercedes baun,
die Typen, die für dein Steak dem Lachs den Kopf abhaun,
arbeitslos wären sie ohne dich, den Pionier,
der du immer arbeitest wie ein wildes Tier.
Gegenüber dir selbst zeigst du nur Härte,
doch du bist es, der hier schafft die Werte.
Die Bitch, die will es doch gar nicht wissen,
sie ist ein Sozi und will dich nur blöd dissen.


"Scheingeld" (von Doktor Döner)

Ich wurde geboren, in Brüssel, in der EZB, als Hundert-Euro-Schein,
doch Geld heiße ich leider nur noch zum Schein,
wie mein Vetter, der Ami-Dollar, bin ich nur aus Papier,
wenn ich gedruckt werde, stehen die Halunken Spalier.
Der Vater heißt Staat, ein Betrüger, ein Lügner, Dieb und Erpresser,
der meint, was gut für uns ist, weiß er immer besser,
die Mutter ist die Gier nach Macht, die uns zu Sklaven macht,
die uns wie wild gebärt, bis bald ist Schicht im Schacht,
ich bin ne Missgeburt, ohne Deckung entstanden,
in der Retorte gebacken, von Verbrecherbanden.
Doch früher war alles, was richtig glänzte, aus Gold,
jo, so kann es wieder sein, wenn ihr alle es wollt.
Rettet die Bäume, schont das Papier, pflegt eure Träume,
Zerreißt die Pseudokohle, Fiat Money, das Geld der Narren,
Vergrabt sie im Garten, die guten Gold- und Silberbarren.

 

 

"Der Glauch" (von Doro Buttgereit)

Wenn wir dich sehen, schmerzt unser Bauch,
Du bist der Firmensaurier und heißt Glauch.
Für ne E-Mail braucht du ganze vierzehn Arbeitstage,
aber für den Adressaten bist du eine Plage.
Denn du laberst ohne Ende, doch nicht nur im Briefverkehr,
sondern redest auch den Kollegen die Birne leer.
Du nervst, du bist Autist, man nennt dich Glauch,
aus deiner Fresse kommt nur Schall und Rauch.
In jedes Zwiegespräch fuchst du dich ein,
und hinterm Rücken pinkelst uns ans Bein.
Ein Sozialfall, dem der Chef nur Gnade gewährt,
ja ein Umsatzkiller, den bloß Mitleid ernährt.
Wenn Frau Bietz sich am Kopierer etwas beugt herunter,
Du dich schleichst heran und schaust dann über ihre Schulter,
ein Lustmolch bist Du, nur beim Baggern zeigst Du Eifer,
und dann in Deiner Schnauze sammelt sich der Geifer.
Du bist unkündbar, riechst nach Deo und Lauch,
Du bist ne Wanze, und dein Name sei Glauch.

Doktor Döner

Nach einem Blick auf seine Umsatzsteuererklärung machte sich der Köln-Ehrenfelder Gastronom Bülent Karagün Gedanken über das Wesen von Geld, Wirtschaft und Staat. Als "Doktor Döner" rappt er sich seitdem seinen Frust von der Krämerseele.

ARGE Berlin

Das stets mit Totenmaske, aber oft oben ohne rappende Berlin-Neuköllner Urgestein Doro Buttgereit arbeitet in einem Call-Center für Lotterien, Schneeballsysteme und Staatsanleihen. In ihren Liedern, die vom eigenen Label "ARGE Berlin" produziert werden, nimmt sie gerne ihre unfähigen Kollegen aufs Korn.

Morgen in :
Machen wir unsere Erde kaputt?

-Sonntagsfrage:
Welche Partei würden Sie wählen?


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Gustloff