09.01.2005

Ein Herz für Tamilen

Die große Gustloff-Wohlfühlaktion für die ganze Familie

Schon seit langem haben wir von Gustloff bei jeder sich uns bietenden Katastrophe das Motto hochgehalten "Tu irgendetwas und sprich darüber." Von daher halten wir uns nach zwei Wochen reiflichen Zuschauens für vorprädestiniert, nun die Hilfsführerschaft angesicht der Tsunami (oder 'die' oder 'das'?) in Südostasien an uns zu reißen. Es darf einfach nicht sein, daß ungezählte Ideen für die satirische Unterstützung der Opfer noch weiter in unseren Klarsichtfolien vergilben. Wir möchten diese unseren Lesern deshalb nun schnell und unbürokratisch vor die Füße schütten. Denn schließlich geht alles mit einem Lachen leichter. Oder, um es mit Rafaela Baader-Meinhof zu sagen: "Wer lacht, kann verdrießen. Aber wer nicht lacht, ist schon verdrossen."

Damit Sie sogar jetzt mithelfen können, hier nun unsere ultimativen Wettbewerbsbeiträge für das Dschungelcamp der Hilfsbereitschaft:


(1) Sauberes Wasser ist zurzeit Mangelware rund um den Indischen Ozean. Also trinken Sie es den armen Leuten nicht einfach vor der Nase weg. Es darf ruhig stattdessen auch einmal ein Bierchen sein oder noch besser ein trockener Weißwein. Wenn es doch unbedingt sein muß: Füllen Sie den Rest in Ihrer Perrierflasche mit Leitungswasser auf und schicken Sie das Ganze im unfrankierten Umschlag an Ihren Lieblings-Thailänder.

(2) Pietät ist Trumpf. Mit gutem Beispiel sind hier die deutschen Radiosender vorangegangen und haben das Lied "Die perfekte Welle" von Juli aus ihren Programmen verbannt. Wir halten dies auch für richtig: Schließlich ist es jetzt Januar und nicht Hochsommer. Aber leider greift unserer maßgeblichen Meinung nach diese sehr lobenswerte Aktion noch viel zu kurz. Wäre die Gelegenheit nicht äußerst günstig, gleich sämtliche Lieder von Neuer Deutscher Welle und New Wave auf den Index zu setzen und so endlich der erbärmlichen 80s-Revival-Welle (sic!) den Garaus zu machen? In gleichem Sinne regen wir an, dieses Jahr dem sowieso schon frühreifen Sohnemann zum Geburtstag anstatt eines Wellen-, doch lieber einmal einen Nymphensittich zu schenken. Und meine Damen, es muß einmal gesagt sein: Dauerwellen waren auch schon vor dem Desaster geschmacklos!

(3) Leere Dosen gehören in diesen Zeiten bitte auf keinen Fall in den gelben Sack. Viele Asiaten, besonders die männlichen, könnten dies sehr mißverstehen. Mit dem Büchsenöffner aufgeschlitzt, verwandeln sich die possierlichen Metallbehältnisse im Nu in Sammelbüchsen, die Sie an jeder Straßenecke aussetzen können. Quittungen aller Art lassen sich mit der Aufschrift "Spende" zu herzvollen Bekundungen Ihrer Solidarität mit Indonesien oder den Malediven umfunktionieren. Und als abgehalfterter Rockmusiker sollte Ihnen kein Lied -- wir empfehlen "Bridge over Troubled Water" und sämtliche Hits der Flippers -- zu peinlich sein, um nicht im Rahmen einer Fernsehgala Spenden aus den Zuschauern herauszupressen.

(4) Wenn Sie in Ihrem Leben schon einmal Urlaub am Strand gemacht haben, dann sollten Sie unbedingt darüber nachdenken, sich bei einem deutschen Sender als Augenzeuge zu melden und Ihre Eindrücke zu schildern ("Da kam plötzlich eine Welle.") Oder werden Sie Experte. Davon kann es einfach nie genug geben. In jeder 'besten Freundin', jedem Pfarrer oder Fußballtrainer steckt ein verborgender Trauma-Fachmann. Regelmäßige Besucher von asiatischen Imbißstuben dürfen sich zum Experten für die dortige Mentalität umschulen, während Bademeister, Fans des Vulkaniers Captain Spock und Besitzer von Lavalampen die geologischen Zusammenhänge durchleuchten.

(5) Oder sind Sie zufällig sogar ein Staat? Dann schicken Sie doch einfach mal Ihre Steuerzahler in die Wüste und ein paar Minister nach Sri Lanka auf eine Konferenz mit buntem Rahmenprogramm. Erfreuen Sie Ihre Untertanen mit Ihrer Freigebigkeit aus deren Taschen. Dieses Gesellschaftsspiel firmiert auch unter dem Namen "Hilfszusagen-Poker". Und so geht’s: Suchen Sie sich einen anderen Staat, den Ihr Volk nicht ausstehen kann, im Zweifelsfall immer die USA, und toppen Sie dessen Spendengebot auf Ebay um ein paar Millionen. Ihren Gegner wird das nicht ruhen lassen, und in einer Woche legen Sie dann wieder ein paar Millionen oben drauf. Verloren hat, wer zuerst paßt oder sein Blatt bei den Steuerzahlern überreizt. Herz sticht aber eigentlich immer. -- Ja, und auch Ihr Militär hat sich einmal einen Einsatz als "Guthelme" in einem angenehmeren Klima verdient. Soldaten sind sowieso verhinderte Sozialarbeiter und geborene Experten für menschliches Leid.

(6) Und zu guter Letzt: Denken Sie bitte auch daran, worum es wirklich geht. Machen Sie Werbung für unser Magazin, erregen Sie Aufmerksamkeit für diesen Artikel, verlinken Sie auf unsere Website und unterstützen Sie unsere Internetgala "Aktion Sorgen-Inder". Wir verlassen uns auf Ihre Kreativität, da uns ab jetzt nichts mehr einfällt.

Bis zur nächsten größten Katastrophe seit Menschengedenken,

Ihr Gustloff, das satirische Helfersyndrom.