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Wer war Karl Gustloff?

Nach Mitteilung des Verlages zum geplanten Start der Zeitschrift mit dem Namen „Gustloff“ erreichten uns mehrere besorgte Zuschriften, die die politische Korrektheit dieses Namens anzweifelten. So schrieb uns etwa die Antifa Hildesheim: „Seid Ihr wirklich so naiv und blauäugig, nicht zu wissen, dass Wilhelm Gustloff einer der schlimmsten Nazi-Bonzen war? Bis zu seiner Liquidierung 1936 war Wilhelm Gustloff NSDAP-Boss in der Schweiz. Oder seid Ihr eher braunäugig, und es macht euch garnix aus? Wie weit sind wir schon wieder, dass ein angebliches Satiremagazin einen solchen Namen tragen darf?“

Es scheint, dass Leben und Werk Karl Gustloffs, dem diese Zeitschrift sich verpflichtet fühlt, in Vergessenheit geraten sind. Zu Unrecht, wie wir finden!

Wer war Karl August Gustloff?

Karl August Lutetius Gustloff enstammte einer Arbeiterfamilie. Am 30. April 1889 als Karl August Lutetius Philipp Immanuel Gustloff geboren, war er ein Kind des Niederrheines, jener Landschaft, der er sich bis ins hohe Alter hinein stets verbunden fühlte, und zu der es ihn immer wieder zog. So wie die Landschaft, so sind wohl auch ihre Menschen: Flach, oberflächlich und strukturschwach. Schon früh wurden dem Knaben im Elternhause die Werte zuteil, die ihn auch später prägen sollten: das Leiden an der Kreatur, die Mitteilsamkeit den Schwachen und Ausgegrenzten gegenüber und die Wertschätzung der einfachen Dinge des Lebens. Des öfteren pflegte er in Mußestunden zu erwähnen, sein Vater sei es gewesen, der ihm die Erkenntnis vermittelt habe, eine einfache Kruste Brot habe schon so manchem mehr das Leben gerettet als noch so wohlriechende Parfüme und funkelnde Diamanten. „Und solche Einsichten“, so pflegte er dann meist zu schließen, „erwirbt man nicht aus Büchern!“

Hieraus nun zu schließen, der junge Gustloff hätte von Büchern und vom Lesen überhaupt nicht viel gehalten, wäre freilich ein Fehler. Karl August Lutetius Philipp Immanuel Maria Gustloff war sein Lebtag ein eifriger Leser, allerdings interessierte ihn vornehmlich die Art von Lektüre, die die Menschen beiderlei Geschlechts und ihre Beziehungen einander zum Thema hatten, wie ja überhaupt sein Interesse mehr auf das Menschliche jedweden Standes und Geschlechtes als auf abstrakte Theorien und Denkgebäude sich richtete.

Dass der Schulunterricht einem solch aufgeweckten Knaben eine Qual gewesen sein muss, entbehrt jeder Erwähnungsbedürftigkeit. Um so mehr, als die bereits damals in dem späteren Künstler und Filmregisseur aufkeimende Kreativität bei seinen Lehrern auf Unverständnis, ja Ablehnung stieß. Als „Sudeleien“ wurden seine frühen, uns heute leider nicht erhaltenen, Werke geschmäht.

Schon in seiner Jugendzeit zeigte sich die Mildtätigkeit und Menschenliebe Gustloffs deutlich, vielleicht allzu deutlich. So manch ein armes, von seinem Liebhaber schmählich sitzen gelassenes Mädchen seiner Heimatstadt verdankt die Möglichkeit, eine Reise zu tun und seine Notlage zu beenden, einzig und allein einer großzügigen Beihilfe durch Karl August Lutetius Philipp Immanuel Maria Reto Abchasius Gustloff, der ebenso wie der große Schwabe es wahrhaft verdient hätte, „Vater der ledigen Mütter“ genannt zu werden. Diese Zuwendungen den sozial Ausgegrenzten gegenüber waren es wohl, die in Gustloffs Heimat kein böses Wort über den großen Sohn des Niederrheines laut werden ließen, vielmehr selbst heute noch seine Freigiebigkeit in jeder Beziehung von allen gelobt wird, die ihn kannten.

Nach dem Ende seiner Schulzeit war dem jungen Gustloff klar, welchen Weg er einschlagen wollte: Malerei und Bild-hauerei wollte er studieren. Allerdings wurde er von der Düsseldorfer Kunstakademie als Student nicht angenommen, weil er seiner Zeit voraus war: Wieder wurden seine Werke als „obszöne Machwerke“ und als „Sudelei“ abgetan.

Diese Beurteilung seiner Werke sollte Karl August Lutetius Philipp Immanuel Maria Reto Abchasius Gottfried Wilhelm Gustloff sein Leben lang begleiten. Zunächst voller Verbitterung der Zurückweisung wegen, meldete er sich freiwillig zur Teilnahme am Ersten Weltkriege, in dem er ständig an vorderster Front kämpfte. Die Teilnahme am großen Völkerringen bewirkte eine tiefe Erschütterung im Weltbild des jungen Gustloff, gleichzeitig aber eine Läuterung, die mit tiefen Einsichten verbunden war. „Wir müssen vorwärts, auch ohne Sicherheit!“, notiert er noch im Schützengraben in sein Tagebuch. Auch die Erkenntnis, dass ohne Krampf keine Kunst und keine Wissenschaft sei, dass alles wahrhaft Menschliche dem Krampfe sich verdankt, die der forschende Geist Gustloffs später durch die Lektüre der Werke Ph. Lathes bestätigt fand und die sein ganzes späteres Werk prägen sollte, wurde bereits damals intuitiv-schauend von ihm erfasst.

Diese beiden Momente: das Vordringend-Dynamische und der Krampf, sollten sein gestalterisches Werk fortan bestimmen. Freilich überstiegen diese Grundprinzipien künstlerischen Seins die Ausdrucksmöglichkeiten traditioneller Medien wie Malerei und Bildhauerei bei weitem. Im neuen Medium des Films erblickte Gustloff die Möglichkeit einer eindringlichen Gestaltung seiner Visionen. Es entstanden Filme wie „Die wilde Gischt“ (1921) und „Der tiefe Schlund“ (1924), die freilich von Kritik und Öffentlichkeit völlig verkannt wurden und erst fünfzig Jahre später (mit anderen Titeln) in die Kinos kamen.

Neben seiner künstlerischen Tätigkeit als Darsteller und Filmregisseur ließ „Karl August Lutetius Philipp Immanuel Maria Reto Abchasius Gottfried Wilhelm Maximilian Gustloff III.“, wie sein Künstlername nun lautete, keine Minute nach in seinem auf Mitmenschen beiderlei Geschlechts gerichteten sozialen Engagement, wobei er ebenso wie der Menschensohn keinerlei Kontakt mit den im Zwielicht lebenden Verworfenen scheute. Die berühmte und oft gegen ihn gerichtete Notiz eines Polizeispitzels: „Dr. Gustloff treibt sich allnächtlich bis des Morgens in üblen Spelunken und Kaschemmen herum“, ist vor diesem Hintergrund und nur vor diesem Hintergrund zu verstehen. Des Doktors diesbezügliches Verhalten erklärt sich nur durch sein Interesse an zwischenmenschlichen Beziehungen und steht in keinem Zusammenhang mit Gewinnsucht oder anderen Untugenden, wie sie schon zur damaligen Zeit nur allzu verbreitet waren (der Doktortitel war Gustloff von der von ihm gegründeten „Akademie für Filmkunst und Gesellschaftspflege“ verliehen worden, die noch nach dem Krieg, allerdings unter dem Namen „Institut für Ehehygiene“, existierte).

Zu dieser Zeit begann Gustloff einen regen Briefwechsel mit seinem großen schwäbischen Geistesverwandten Rudolf Beck-Dülmen, wenn auch dessen Sprachphilosophie in ihrer Abstraktheit dem anschauenden Charakter des großen Rheinländers fremd bleiben musste.

Dabei blieb Dr. Gustloff auch in der dunklen Zeit des Dritten Reiches, im Gegensatz zu seinem missratenen Vetter Willi, überzeugter Demokrat. Zwar glaubte er zunächst, das Dritte Reich akzeptieren zu müssen, da es schließlich aus einer demokratischen Wahl hervorgegangen sei, änderte aber seine Meinung, als die Nationalsozialisten sich weigerten, seine Werke in die Ausstellung „Entartete Kunst“ aufzunehmen.

Unbeugsamer Demokrat blieb Dr. Karl August Lutetius Philipp Immanuel Maria Reto Abchasius Gottfried Wilhelm Maximilian Friedrich Hannibal Gustloff III. auch nach dem Kriege. So versagte er z. B. dem Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland wegen dessen Bekenntnis zu willkürlich definierten individuellen Grund- und Menschenrechten, die jeglicher parlamentarischen Kontrolle entzogen sein sollten, seine Zustimmung. Wie recht er mit seiner Zurückweisung von Individualrechten hatte, zeigt sich heute überdeutlich, wo eben diese Individualrechte zu einem haltlosen Kapitalvagabundentum geführt haben, das auf demokratisch-parlamentarischem Wege kaum noch zu kontrollieren ist.

Die Absage an individuelle Eigenheiten und Exzentrik und ein klares Bekenntnis zum sozialen Miteinander prägen auch Gustloffs nach dem Krieg entstandene Filme wie „Wenn die prallen Möpse hüpfen“ oder „Pimmelpiraten“: Im Mittelpunkt dieser Werke stehen nicht die individuellen Charaktere, sondern lediglich ihre sozialen Interaktionen.

Dr. Karl August Lutetius Philipp Immanuel Maria Reto Abchasius Gottfried Wilhelm Maximilian Friedrich Hannibal Cäsar Gustloff - oder Dr. Karl August Lutetius Philipp Immanuel Maria Reto Abchasius Gottfried Wilhelm Maximilian Friedrich Hannibal Cäsar Severinus Gustloff III., wie er von seinen engsten Freunden genannt wurde - legte in den frühen Morgenstunden des 3. März 1963 seine Seele in die Hände des Allerbarmers. Den in den 70er Jahren beginnenden Siegeszug seiner Werke, die eine ganze Generation von Filmemachern prägen sollten, deren deutlich von Gustloff beeinflussten Filmen heute eigene Abteilungen in den Videotheken gewidmet sind, hat er nicht mehr miterlebt.

Seinem Denken und Wirken fühlt sich diese Zeitschrift verpflichtet. Sein unbedingter Wille zum Besseren, sein Streben nach dem Lichte, trägt unsere Arbeit.

 


 

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