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Der Bund der Maikäferhändler (1896)

Die in diesem Jahr besonders schwer nothleidenden Maikäferhändler haben sich zu einem Bund zusammengeschlossen, welcher die geeigneten Schritte thun soll und wird, die herzzereißende Lage, in welche die Maikäferhändler gebracht worden sind, in das Gegentheil zu verwandeln.

Die jungen Leute gehen hierbei von der Ueberzeugung aus, daß sie durch ihre Bemühungen auf dem Gebiet des Maikäferhandels eine in eminenter Bedeutung des Wortes landwirthschaftliche Thätigkeit entfalten, die der Landwirthschaft von großem Nutzen ist und schon aus diesem Grunde beanspruchen dürfen, von der Regierung, wenn auch auf Kosten der übrigen Erwerbsklassen, begünstigt zu werden.

In den Maikäferjahren hat die Regierung in der rücksichtslosesten Weise die Maikäfer aus dem Wege räumen lassen, ohne daran zu denken, daß hierdurch die Zeiten schlechtester Maikäferernten förmlich vorbereitet wurden. So trat an die Stelle des Ueberflusses der Mangel. Für viele Beweise nur einen einzigen, aber vollgültigen. Ein Baum, der früher nur sanft geschüttelt zu werden brauchte, um den unmündigsten Handeltreibenden mit einer Fülle von Maikäfern zu versorgen, steht heute völlig maikäferleer. Kaum lohnt es sich, die Hand an ihn zu legen. Die Ernte ist entweder gleich Null oder absolut unbedeutend, so daß die aufgewendete Mühe in keiner Weise bezahlt wird. Keine Klage reicht an die Enttäuschung heran, aber je konsequenter sie überhört wird, um so energischer muß sie wiederholt werden, um die maßgebenden Kreise zu bestimmen, nach Kräften und über dieselben hinaus Hülfe zu schaffen.

Wer ein Auge für das öffentliche Leben hat, wird von Mitleid ergriffen werden, wenn er Gelegenheit hat, die schlecht genährten und mangelhaft bekleideten Gestalten des Maikäferbundes zu sehen, die mit ihrer Waare auf dem Markt erscheinen. Gestalten und Waare gleichen sich in ihrem traurigen Aussehen. Kisten und Kasten sind fast leer oder ihre Inhalt reicht kaum hin, als ein solcher bezeichnet zu werden. So fristen die Maikäferhändler ihr trauriges Dasein, und wenn die Regierung nicht schleunig zu Hilfe eilt und Alles thut, was in ihren Kräften steht und nicht steht, diese wichtige Industrie wieder zu kräftigen, indem sie deren Vertreter unterstützt, so hat sie sich die Folgen selbst zuzuschreiben.

Es ist auch in der letzten Zeit häufig versucht worden, die nothleidenden Maikäferhändler als Simulanten zu charakterisiren, die, in guten Verhältnissen, die Hülfe des Staats aus dem Schlafe brüllend, nur bezwecken, diese Verhältnisse noch zu verbessern, um üppiger als bisher leben zu können. Die liberale Presse, die in diesen Verdächtigungen das Menschenmögliche leistet, lügt natürlich, wie sie nicht anders kann, man werfe einmal einen Blick in die Kreise der enterbten und darbenden Maikäferhändler. Man wird sie wie ebenso viele Tantalusse gegenüber den Genüssen stehen sehen, welche in anderen Erwerbsklassen in Massen genossen werden. Dadurch wird die Unzufriedenheit förmlich systematisch erzeugt und großgezogen.

Die Regierung hat die Wahl und darf nicht länger zögern. Hier können nur reichliche Liebesgaben helfen. Treffen diese nicht bald ein, so geht der Maikäferhandel unrettbar zu Grunde.

Julius Stettenheim (1831-1916, Homepage)

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