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Selbsthilfegruppe
"Männer mit ex-jugoslawischer Ehefrau"

Wenn Du auch eine Frau oder Freundin aus dem ehemaligen Jugoslawien hast oder wenn Du planst, eine solche Liaison einzugehen, dann schau doch mal bei uns vorbei. In der Selbsthilfegruppe Jugofrau findest Du ein offenes Ohr bei Menschen, die Deine Erfahrungen, Dein Leid und Deine Freude teilen. Unser gemeinnütziger Verein wird aus Bundesmitteln unterstützt und beschäftigt einen Psychologen sowie drei SozialarbeiterInnen.

Zum Einstieg in die Problematik veranschaulicht unser Vereinsvorsitzender in narrativer Form die typischen Symptome einer Beziehung mit einer Jugofrau:

„[...] Das eigentliche Martyrium beginnt, wenn Du das erste Mal bei ihren Eltern eingeladen bist. Dem Overkill an Gastfreundlichkeit entrinnst du nicht ohne fünf Kilogramm Fleischauf- und Gewichtszunahme und auch nicht ohne mindestens 1,5 Promille im Blut. Bei der Ankunft bei deinen Schwiegereltern in spe (wie bitte? Du glaubst, ehelos aus einer Jugo-Beziehung rauskommen zu können? Vergiss es! Diese Flausen werden Dir ganz schnell von Deiner Freundin und ihrer Familie ausgetrieben) wirst Du erst einmal von Deiner neuen Mutter abgeknutscht bis die Fetzen fliegen. Zuerst wird Deine rechte Wange bearbeitet, und dann musst Du auch die Linke hinhalten. Dein zukünftiger Schwiegervater presst Dir zur Begrüßung barsch aber herzlich die Hand.

Der nächste Handgriff gilt der Flasche mit dem selbst destillierten Pflaumenschnaps, auf deutsch Sliwowitz. Jetzt musst Du Deinen ganzen Mann stehen, willst Du nicht jeden Respekt bei Deiner neuen Familie verlieren und als Inbegriff des deutschen Weicheis zum Gespött des gesamten Balkans werden. Am besten überstehst Du diesen Initiationsritus, indem Du gar nicht erst am Glas mit dem Sechzigprozentigen riechst oder nuckelst, sondern das Ganze direkt ex wegkippst. Je eher Du das nämlich hinter Dir hast, desto schneller kommst Du nämlich zum zweiten Glas und schaffst dann auch das obligatorische dritte.

Dann bist Du so weit, dass Du alles mit Dir geschehen lässt. Und mit „alles“ ist die nun folgende Mahlzeit gemeint, mit der die nächsten drei Stunden bestritten werden. Dabei bilden Bohnensuppe mit Teigschwa-den, Kasseler mit Frühlingszwiebeln und Kartoffelsalat insgesamt nur die Vorspeise. Danach werden die größten Leckerbissen der Balkan-Grillkunst aufgetischt wie Cevapcici mit scharfer Paprikasauce, mit Schafskäse gefüllter Lammhackbraten sowie Teigtaschen mit Schweinehack und Spinat. Das alles kriegst Du natürlich nur mit Hilfe weiteren Sliwowitzes runter.

Dabei lernst Du Deine ersten Brocken Serbisch oder Kroatisch wie etwa „hajde!“ (los!), „jebo te!“ (nicht so zimperlich!) und „još jedan komad!“ (noch ein Stück!). Hast Du diese Prozedur ohne Magen-durchbruch überstanden, bist Du jugotauglich und wirst aus vollem Herzen adoptiert. Bei dieser Gelegenheit dämmert Dir übrigens auch, dass das ganze Gerede über Cholesterin, ungesunder Ernährung und dergleichen der reinste Mumpitz ist. Alle Jugoslawen wären schon lange ausgestorben, wenn auch nur ein Funken Wahrheit an all den von Ärzten und Pharmalobbyisten gestreuten Horrorberichten über angeblich ungesunde Ernährung dran sein würde. Wie Schuppen fällt es Dir von den Augen, dass Jugoslawen allesamt kerngesünder und vitaler aussehen als jeder deutsche Slimfaster und Müslifresser.

Während des Essens haben Deine Adoptiveltern schon mal den Fernseher eingeschaltet, wo satellitengesteuert Sendungen mit gesunder Volksmusik aus allen jugoslawischen Ländern laufen: Von der Schlagersängerin Ceca, der Frau des seligen Kriegsverbrechers Arkan, bis hin zu den Original Oberkrajnern ist alles vertreten. Dabei stellst Du fest, dass Jugoslawien menschlich, optisch und akustisch im Grunde genommen nur eine Verlängerung Bayerns ist. Und gegen Ende des opulenten Mahls ist die Tafelgesellschaft reif für politische Themen. Die Frauen stehen nun auf, widmen sich dem Abwasch und bereiten schon mal Kaffee, Sahnekuchen und Palatschinken vor. Jetzt solltest Du ja nicht den Fehler machen, den Frauen Deine Hilfe anzubieten. Die anderen Männer halten Dich sonst reif für eine Geschlechtsumwandlung.

Bei Ex-Jugoslawen gibt es zumeist drei verschiedene Arten der politischen Einstellung: Entweder man ist Nationalist oder Sozialist oder beides zusammen. Sind Deine neuen Eltern Kroaten, begehe nie den Fehler, das Wort Balkan in den Mund zu nehmen. Der Balkan, das sind in diesem Falle nur die Serben. Man selbst gehört dem tapferen mitteleuropäischen und katholischen Kroatentum an, das sogar die Krawatte erfunden hat. Und den Balkan-Serben hat Tudjman 1995 gezeigt, wo der Brtl den Pflaumenschnaps holt.

Sind Deine neuen Eltern Serben, dann sind die undankbaren und tumben Kroaten und Bosnier ja eigentlich nur vom Glauben abgefallene und degenerierte Serben. Und die Serben selbst werden systematisch verkannt, da man ihnen die gebührenden Gefühle wie Respekt, Furcht und Mitleid nicht entgegenbringt. Nichts falsch kann man dagegen bei Serben wie Kroaten machen, wenn man einen albanerfeindlichen Witz auf Lager (Omarska) hat. Das gilt sogar für den Fall, dass Deine Schwiegereltern Sozialisten sind. Doch wenn Du dann fragst, warum denn der Tito-Sozialismus besser war als sogar das gegenwärtige „kapitalistische“ System in Deutschland, dann gerät Dein Weltbild gehörig durcheinander: Im jugoslawischen Sozialismus wurde man zum Beispiel nicht durch behördliche Schikanen wie Bauvorschriften und Schwarzarbeitverbote behindert, wenn man zusammen mit seinen Nachbarn und seiner Familie ein Eigenheim baute. Und wenn man begabte Kinder hatte, konnten diese auf eine Eliteschule gehen. Viele Bürger ernteten ohne Umverteilungsgefahr die Früchte der eigenen Arbeit, wenn es um Häuslebau, Schnapsbrennerei oder Hühnerzucht ging. Schließlich kapierst Du, dass der Cevapcici-Kommunismus oft „kapitalistischer“ war als die heutige BRD, die in vielen Bereichen sozialistischer ist als das Tito-System jemals war. Und Dir dämmert, dass es gerade das Kapitalistische am Titoismus ist, wonach sich die Jugo-Nostalgiker zurücksehnen.

Eines steht fest: Mit einer jugoslawischen Frau birgt jeder Tag einige faustdicke Überraschungen. Langweilig wird Dir mit ihr niemals. Und wenn Du kein Problem damit hast, den Macho in Dir zu entdecken und trotzdem in Auseinandersetzungen mit Deiner Frau stets den Kürzeren zu ziehen, wenn Du kein Vegetarier bist und keine Schnapsallergie hast, dann ist eine Kroatin oder Serbin an Deiner Seite das Beste, was Dir als Deutscher jemals passieren kann!“

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