DDR

bundeswehr

Die allerneuesten Beitrittsländer

Jeder kennt die Klage: "Europa ist nicht dynamisch." -- In Nebendingen wie Wirtschaft, Kultur und Wissenschaft mag das angehen, aber nicht in der großen Politik. Denn kaum waren die Osteuropäer aufgenommen, da konnten auch schon fünf weitere Länder begrüßt werden. Joschka Fischer schwärmte: "Sie sind seit langem ein integraler Bestandteil des europäischen Projektes gewesen. Sie lassen sich einfach nicht aus Europa wegdenken."

Der Anschluß von Ikarien, Utopia und der Civitas Solis gestaltete sich dabei wegen des ähnlichen Gesellschaftssystems ganz reibungslos. Hingegen war die Aufnahme des Märchenlandes hart umkämpft. Eine Koalition aus Attac, Gewerkschaften und Konservativen protestierte, nun drohe ein Ansturm von Billigarbeitern und Kriminellen. Die Kampagne verlief dann allerdings schnell im Sande, als sich die vierzig Räuber allesamt als V-Leute herausstellten und die EU-Kommission den Heinzelmännchen das Arbeiten für 1001 Nacht verbot.

Doch das räumte nicht die Bedenken auf der Märchenseite aus: In Brüssel arbeite man an einer Gleichstellungsrichtlinie für Ritterinnen, und das tapfere Schneiderlein müsse sich demnächst wegen unerlaubtem Waffenbesitz verantworten. -- Der Präsident des Märchenlandes brachte schließlich mit seinem Plädoyer die Wende. "Liebe Mitbürger und Prinzessinnen", hob er an: "Um den amerikanischen Traum zu besiegen, braucht Europa das totale Märchen. Wenn wir erst einmal Mitglied sind, werden uns die Regierungen in Berlin und Paris unsere Dukaten-Esel und Tischlein-Deck-Dichs aus den Händen reißen. Das kurbelt unsere Wirtschaft an und schafft Arbeitsplätze!"

Am delikatesten war schließlich der Beitritt des Schlaraffenlandes. Broilerbuden drohten mit Selbstverbrennungen wegen des unlauteren Wettbewerbs durch unerlaubt fliegende, gebratene Tauben. Als dann aber ausgehandelt wurde, daß der anti-bulimische Grießbreiwall bis auf weiteres erhalten bleibt, war letztlich doch alles in Butter. -- Pech nur für El Dorado. Wegen der Furcht vor Reichtumsdumping muß das Goldland so lange draußen bleiben, bis das Maastricht-Kriterium von mindestens drei Prozent Staatsdefizit erreicht ist.

© Henning Helmhusen
Homepage: www.helmhusen.de