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Wie die Multis morden

Die Freude in der Redaktion des Nachrichtensenders war unbeschreiblich. Jahrelang hatte man Börsenkurse vorgelesen und den Agenturmeldungen mit Schreibfehlern eine unverwechselbare Note verliehen. Aber heute war alles anders. Was da nämlich vor den Redakteuren auf dem Schreibtisch lag und von ihnen ungläubig bestaunt wurde, das war die erste eigene Nachricht. Und dann sowas! Das würde bestimmt Stoff für die nächsten Jahre liefern.

In dürren Worten verhielt sich der Fall so: Ein Mann hatte auf der Autobahn durch rücksichtslose Fahrweise einen Unfall verursacht, dem zwei Menschen zum Opfer gefallen waren. Das ist tragisch, aber beileibe nichts Ungewöhnliches. Und wäre es nur das gewesen, dann hätte die Nachricht nicht einmal in die Spalten eines kostenlosen Anzeigenblättchens gefunden. Aber in diesem Fall gab es ein kleines und bedeutungsschwangeres Detail: Der Fahrer hatte nämlich nicht nur auf der Autobahn gedrängelt, sondern in Tateinheit auch bei DaimlerChrysler gearbeitet. Pfui!

Der Nachrichtsender – „Nachrichtensender“ ist eigentlich eine Übertreibung – stürzte sich nun auf den Fall um den „DaimlerChrysler-Ingenieur“. Die Zuschauer wurden in den Nachrichten, im Videotext, auf der Website, im Laufband und von atemlosen Reportern vor Ort über jede noch so kleine Wendung des Falles unterrichtet. Der Erfolg gab dem Sender recht, und so entwickelte sich ab da ein neues Genre, wie der folgende Bericht aus der nächsten Zukunft zeigt:

„Vor wenigen Wochen versuchte ein mit Nike-Turnschuhen bekleideter Mann, der gelegentlich bei McDonald’s arbeitet, von amerikanischen Tabakmultis schon in frühester Jugend zum Rauchen verführt wurde und gerne Coca-Cola trinkt, einer älteren Dame ihre vom Gucci-Großkonzern hergestellte Handtasche zu entreißen, in der sich eine Kreditkarte des US-amerikanischen Visa-Imperiums, die sie durch Vermittlung der Deutschen Bank erhalten hatte, ein Autoschlüssel zu einem Wagen der Firma Ford sowie Schminkutensilien aus der Fabrikation von Procter & Gamble und Avon befanden.

Gestern fand der Prozess statt. Doch dieser skandalöse Fall zeigt wieder einmal, dass Wirtschaftsverbrechen hierzulande viel zu milde bestraft werden: Der Mann erhielt ein Jahr auf Bewährung, während die in den Fall verstrickten Konzerne straflos ausgingen.“

Ist allein schon die Informationsfülle des neuen Stils zu begrüßen, so liegt der bedeutendste Vorteil wohl darin, dass der Zuschauer endlich die tieferen Zusammenhänge versteht. Zur Illustration deshalb hier noch eine Reaktion aus einem Internet-Chat:

„Schaut Ihr denn kein Fernsehen? Da könnt Ihr sehen, wozu Euer ungehemmter Raubtier-Kapitalismus führt. Die Multis statten die Verbrecher aus, die uns dann ausbeuten und totfahren, und außerdem werden die auch noch durch die ganzen Konsumprodukte scharf gemacht. IHR KOTZT MICH AN!!!“

Henning Helmusen

 

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