kroatien
Pay TV:



Free TV:


fernsehen
Feuilleton

Zur TV-Hauptseite

 

kultur

presseagentur

science fiction

lesben

liebe

europa

verschwörung

werbung

webzeitung

zeitung

Programmhinweise zu Klaus Lage: Heute im und auf

Klaus Lage wird 100

Ein Rückblick auf seine Karriere

Wohl niemand in der deutschen Popszene hat eine solche Ausdauer bewiesen wie Klaus Lage, sieht man einmal von Udo Lindenberg, Dieter Bohlen, den Wildecker Herzbuben, Nena, den Prinzen, Extrabreit, Ted Herold, Heintje, den Toten Hosen, Roberto Blanco, Reinhard Mey, den Scorpions, Gitte, dem Rödelheim Hartreim Projekt, Stefan Mross, Johannes Heesters sowie einigen anderen ab.

Aus all diesen Gründen, die wir dem Leser sicherlich nicht mehr eigens aufzählen müssen, halten wir es für unsere Pflicht, dieses Urgestein am deutschen Sangeshimmel einmal in seiner ganzen Breite zu würdigen. Hier deshalb nun ein Rückblick auf das wechselvolle, aber dennoch sehr beharrliches Schaffen des Künstlers:

1904: Klaus Lage wird -- damals noch unter seinem bürgerlichen Namen "Klaus Lage" -- in Hamburg geboren, einer Stadt, die er die nächsten hundert Jahre nicht verlassen wird. Wie seine Hebamme später zu Protokoll gibt, erinnern bereits seine ersten Schreie an das Lied "Tausendmal berührt".

1908: Unser Held erforscht in akribischem Selbststudium seine Talente. Zu diesen zählt zwar nicht das Singen, aber auf Betreiben seiner Mutter, einer gescheiterten Opernsängerin, tritt er dennoch als frühreifer Wandervogel mit seiner Klampfe an die Öffentlichkeit. Sein zufällig komponiertes Stück "Tausendmal berührt" stößt nicht auf entschiedene Ablehnung.

1913: Als "Wunderkind" wird Klaus Lage in den Hamburger Kaffeehäusern herumgereicht. Das Programm bleibt allerdings beschränkt auf Variationen über sein Erstlingswerk "Tausendmal berührt", was seiner Karriere vorerst enge Grenzen zieht. Verheißungsvolle Entwicklungen werden im folgenden Jahr durch den Ausbruch des ersten Weltkrieges zunichte gemacht.

1919: Klaus Lage bricht mit seiner bürgerlichen Vergangenheit und schließt sich einer spartakistischen Jugendgruppe an, aus der er jedoch sehr rasch wieder wegen zu häufiger Wiedergabe seines Agitprop-Songs "Tausendmal berührt" ausgeschlossen wird. Auch die Freikorps weigern sich, Klaus Lage in ihre Reihen aufzunehmen, woraufhin er der Politik den Rücken kehrt.

1927: Der Barde entdeckt den Charleston für sich, was aber nicht auf Gegenseitigkeit beruht. Sein Versuch, "Tausendmal berührt" im Duett mit Josephine Baker zu singen, verläuft im Sande, weil die Sängerin nie Hamburg besucht und Klaus Lage auch gar nicht kennt.

1936: Erfolgversprechende Kontakte zum Propagandaminister Goebbels lassen es möglich erscheinen, daß "Tausendmal berührt" Titellied der olympischen Spiele in Berlin wird. Ein Video mit Leni Riefenstahl scheitert in letzter Minute an der Weigerung von Klaus Lage, seine Vaterstadt zu verlassen. Er deutet dies später als Widerstand gegen des NS-Regime um.

1947: Klaus Lage plant, mit seinem Lied "Tausendmal berührt" in den amerikanischen Soldatenclubs abzuräumen. Erst nach einiger Zeit stellt er jedoch fest, daß Hamburg zur britischen und nicht zur amerikanischen Besatzungszone gehört. Die "Klaus Lage Big Band" muß daraufhin aufgelöst werden.

1958: Mit dem Aufkommen des Rock 'n Roll wittert der Hamburger Sangeskünstler seine Chance und kleidet das Lied "Tausendmal berührt" nun zeitgemäß ein. Eine Gasteinlage bei Vico Torrianis "Goldenem Schuß" -- zugleich gedacht als fünfzigjähriges Bühnenjubiläum -- muß allerdings aufgrund von Zuschauerprotesten abgesagt werden.

1968: Der Sänger wird immer politischer. Auf einem Ostermarsch in seiner Heimatstadt Hamburg buht ihn die Menge dennoch wegen seines als nicht genügend engagiert empfundenen Liedes "Tausendmal berührt" aus. Erschwerend kommt hinzu, daß in jener Zeit noch keine passenden Drogen bekannt sind.

1972: In einer Landkommune versucht sich Klaus Lage an einer Folkversion von "Tausendmal berührt". Nach eigener Einschätzung geben die Kühe daraufhin deutlich mehr Milch. Eine Einladung zum "Konzert für Bangladesh" wird trotzdem nie ausgesprochen und wäre sowieso an der Reiseunfreudigkeit des Musikers gescheitert.

1984: Endlich der Durchbruch. Getarnt als Lied der "Neuen Deutschen Welle" erobert sich "Tausendmal berührt" einen Pflichtplatz auf jeder alternativen Studentenfete. Bei einem Auftritt in Hamburg müssen zahlreiche Fans ärztlich behandelt werden, zumeist wegen Kopfschmerzen.

1995: Klaus Lage verpaßt nur knapp den Anschluß an die Techno-Euphorie. Eine neue Version von "Tausendmal berührt" im Stil von Marusha und unter dem Künstlernamen "Northbam" verstaubt in den Regalen. Schuld ist hierbei auch, daß immer noch keine zum Lied passenden Drogen erfunden sind.

2000: Die Kollegen von Blumfeld covern das Stück "Tausendmal berührt" und würdigen so den "Godfather of Hamburger Schule". Eine Straßensammlung zur Unterstützung von Klaus Lage bei seinem Lebenstraum, einem Abendstudium zum Sozialarbeiter, führt zu Schlägereien auf der Reeperbahn.

2004: Große Fernsehgala auf Phönix und Arte zur Feier des hundersten Geburtstags. Das Lied "Tausendmal berührt" wird per Zuschauerumfrage zur Untermalung des Testbilds und als Erkennungsmelodie aller öffentlich-rechtlichen Sender gekürt. Klaus Lage kündigt weitere hundert Jahre seiner Karriere an.

Wir wünschen weiterhin so viel Erfolg!

Henning Helmhusen