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Das Handwerk des Satirikers

Der Wachtmeister war so zuvorkommend, wie es die Situation erlaubte. Ich müsse ihn bitte verstehen, das sei alles nur seine Pflicht. Und wenn es nach ihm ginge, dann würde er in meinem Fall bestimmt das Auge des Gesetzes zugedrückt haben. Aber!

Ich kann gar nicht sagen, wie leid mir der arme Mann tat. Er schlotterte am ganzen Leib und konnte seine Dienstwaffe nur mit Mühe halten. "Schießen Sie schon los," ermunterte ich ihn schließlich: "Mir ist doch auch klar, dass das Gemeinwohl Opfer verlangt. Sonst wäre es ja einfach nur das Wohl eines jeden einzelnen. Was ist es denn diesmal?"

"Herr Helmhusen, viele halten Sie für einen Meister der Satire. Aber --", er stockte: "Aber bei Durchsicht unserer Akten mussten wir leider feststellen, daß Sie nie eine Meisterprüfung abgelegt haben. Sie sind nicht einmal Satiriker-Geselle oder auch nur -Azubi. Zum Schutz der Verbraucher muss ich leider Ihre spitze Feder beschlagnahmen."

Da war nichts zu machen. Aber um nun zu vermeiden, dass der staatstragende Leser diese Zeilen in der Sorge beiseite legt, ich könnte ihn in illegale Handlungen verwickeln, möchte ich gerechterweise auch schildern, wie der Staat mich aus meiner Arbeitslosigkeit wieder herausholte. Ich hätte ja nie gedacht, wieviele Möglichkeiten mir ab nun offenstanden.

So empfahl mir die örtliche Satire- und Humorkammer, einen unfähigen Meistersatiriker einzustellen und unter seinem Namen mein Geschäft fortzuführen. Kostengünstiger war hingegen der Vorschlag der Bundesagentur für Klamauk. Zwar meinte mein Rehumorisierungshelfer, dass ein Studium zum Diplom-Satiriker mit anschließender Promotion zum "Dr. rer. sat." für mich nicht in Frage käme, aber durch die neue "Einbildungsabgabe" habe jetzt jeder eine Chance, seiner Berufung zu obliegen.

Der Rest lief ganz einfach: Ich wurde zuerst Bergmann im Ruhrgebiet, was mich nach einigen Jahren zu einer Umschulungsmaßnahme in den neuen Bundesländern berechtigte. Von da ging es mit Mitteln aus dem EU-Förderprogramm für humorschwache Gebiete zu einer Molkerei im Münsterland, wo ich Kalauer für das hauseigene Käseblatt verfasste. Dann noch ein soziales Jahr in einem Karnevalsverein, Prüfung zum staatlich beglaubigten Humoristen, und -- rapp zapp -- schon bin ich wieder hier!

Staatlich geprüfte Werke von Henning Helmhusen

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