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Satan sei mit Euch

Die alljährlichen Kirchentage sind in aller Munde. Wenig bekannt blieb bislang hingegen der ebenfalls jährlich stattfindende Deutsche Satanistentag. Vom 16. März bis zum 24. März war es wieder so weit. In Stuttgart gaben sich die Teufelsjünger unter dem Zeichen des Drudenfußes ein Stelldichein. Durch die ganze Stadt wimmelte es von jungen Leuten mit den offiziellen schwarzen Halstüchern mit der Aufschrift "Mehr Gewalt". Die meisten hatten aus dem Anlass schulfrei bekommen.

Nach einleitenden Worten des Ministerpräsidenten Ernst Teufel wurde der Satanistentag mit einer ökumenischen schwarzen Messe eröffnet. Hier wurden die althergebrachten Rituale gemeinsam mit Landesbischöfin Margot Käßmann und Gegenpapst Eugen Drewermann zelebriert. Wie der Religionswissenschaftler Hans Küng ausführte, könne es keinen Weltfrieden geben, wenn nicht alle Glaubensbekenntnisse sich gegenseitig verstünden. In gleichem Sinne äußerten sich auch Sting, die No Angels, Xavier Naidoo und Bundespräsident Johannes Rau.

Nach diesem Auftakt verteilte sich der Satanistentag auf viele kleine Veranstaltungen, in denen Basisinitiativen ihre jeweiligen Anliegen der Öffentlichkeit vorstellten. Eine der Forderungen, die immer wieder anklang, war dabei, dass die Teufelsanbetung den anderen Religionen gleichgestellt werden solle. Die Forderungen der Satanisten klingen hier eigentlich vertraut: Satanismus als gleichberechtigtes Fach an den Schulen neben dem normalen Religionsunterricht, eine paritätische Besetzung des "Wortes zum Sonntag" auch durch Teufelsjünger sowie die staatliche Subventionierung karitativer Einrichtungen wie des Notfalldienstes "Roter Drudenfuß" (Rufnummer: 666).

Aber es gab auch kritische Stimmen gegen den Amts-Teufelskult. So beklagte eine Gruppe mit dem Namen "Kritische Satanisten", dass viel zu wenig Aufmerksamkeit auf den Kampf gegen die "ungerechte Weltwirtschaftsordnung" verwandt werde, in der der Neoliberalismus ungezählte Leiden verhindere. Trotz solcher Misstöne fassten sich am Abschlusstag die versammelten Teufelsjünger doch bei den Händen und sangen gemeinsam alte Choräle wie "Sympathy for the Devil" oder "Highway to Hell". Dann strömten sie hinaus, um etwas des Gemeinschaftsgefühls in ihre Zirkel zu Hause zu tragen. Bis ins nächste Jahr dann.

Bericht: Henning Helmhusen

 

 

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