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08.11.2026

GENDER POLITICS

20 Jahre Antidis-
krimierungsgesetz

Wolfgang Sturm

Die Feierlichkeiten waren schon alle vorbereitet worden. Pompös sollte der runde Jahrestag des Antidiskriminierungsgesetzes begangen werden, dessen Verabschiedung vor 40 Jahren ein neues Bewusstseinszeitalter eingeläutet hatte. Dazu hatte die Regierung in einem gnädigen Akt beschlossen, die tägliche Nahrungsration um ein Viertel zu erhöhen. Doch jetzt dieser Skandal!

Ein 25jähriger Gender-Y-Bürger (früher unter dem diskriminierenden Begriff „männlich“ bekannt) hatte gewagt, unter der Begründung, er wüsste besser, was für ihn richtig sei, die Zuweisung zu einem Arbeitseinsatz zu verweigern.

Die Einrichtung dieser Dienste war kurz nach Einführung des Gesetzes notwendig geworden. Die einer shareholder-value-Doktrin aufgesessenen Betriebsleiter wollten von ihrer Befähigung zur Diskriminierung nicht lassen. Da sie keine Stellen mehr ausschrieben, musste eine drohende Umgehung des Gesetzes verhindert werden.

Seitdem war die Bundesagentur für Arbeit befugt, offene Stellen in freiem Ermessen festzusetzen und sie neu zu besetzen. Schon bald stellte sich heraus, dass Diskriminierung der eigentliche Grund der früheren Arbeitslosigkeit gewesen war. Gerade bei Bürgerinnen konnte die Arbeitslosigkeit dank der Zuweisungen deutlich gesenkt werden.

Infolge des Insolvenzüberleitungsgesetzes von 2015 konnte der diskriminierungsfreie Arbeitsmarkt endgültig durchgesetzt werden. Die in gesellschaftliches Eigentum übergegangenen Betriebe konnten nun an die Stelle der überholten Gewinnorientierung die Antidiskriminierung als oberstes Unternehmensziel setzen. Aber auch im Inter-BürgerInnen-Verhältnis musste der alte diskriminierende Geist weichen.

Die jahrhundertealte Benachteiligung nach Auffassung einiger Gender-Y-Personen äußerlich unvorteilhafter Bürgerinnen konnte beendet werden. Im Partnerschaftszuweisungsgesetz von 2025 wurde es Gender-Y-Personen unter Strafandrohung verboten, eine Bürgerin wegen ihres Äußeren zurückzuweisen. Der gleichberechtigende Geist der Antidiskriminierung durchzog die gesamte Gesellschaft.

Auf Initiative des neugewählten Kanzlers Joseph Fischer lösten sich die Alt-Parteien freiwillig auf. Es war die Überzeugung geboren worden, dass nur in einer Partei, die die staatstragende sein sollte, alle BürgerInnen in gleichem Umfang an der Gestaltung des gesellschaftlichen Lebens teilnehmen können.

Einige Diskriminierer wollten von ihren alten Privilegien nicht lassen. Der strenge Arm der bewusstseinsbildenden Strafrechtspflege konnte sie jedoch eines besseren belehren. Die aus dem Ausland gestreuten Lügen, die Unfälle einiger Gegner der Selbstauflösung wären in Wirklichkeit gar keine Unfälle gewesen, konnte die staatliche Überprüfungskommission zweifelsfrei widerlegen. Damit solche Lügen das gesellschaftliche Bewusstsein nicht nachhaltig trüben konnten, wurde 2030 das Hören ausländischer Sender unter Strafe gestellt.

Noch immer hatte der zersetzende Einfluss des in der mittelalterlich-diskriminierenden Gedankenwelt verbliebenen Auslands eine negative Auswirkung auf den progressiven Geist der Gesellschaft. Die Regierung fürchtete, dass das Ausland die Errungenschaften des Antidiskriminierungsgesetzes untergraben und mit seinen Armeen unter klingendem Spiel durchs Brandenburger Tor ziehen könnte. Aus diesem Grund wurde die Grenze geschlossen und ringsum Deutschland ein hoher antidiskriminatorischer Schutzwall errichtet. Damit auch ja kein ausländischer Terrorist eindringen konnte, war der auf dem Schutzwall montierte Stacheldraht nach innen gerichtet.

Nachdem im Jahr 2034 Joseph Fischer auch das Amt des Bundespräsidenten in Personalunion übernommen hatte, nahm der Aufbau der diskriminierungsfreien Gesellschaft ungeahnte Fortschritte.

Durch neu entwickelte Neurotransponder konnte bei einmal auffällig gewordenen Diskriminierern diese biologisch abnorme Verhaltensweise dauerhaft unterdrückt werden. Die von den Transpondern freigesetzten Empfindungen wurden alljährlich durch unsere großzügige Regierung neu bestimmt. Damit konnte diesen bedauernswerten Gender-Y-Personen und Bürgerinnen wirksam geholfen werden.

Seit 7 Jahren war kein Fall einer diskriminierenden Äußerung mehr bekannt geworden. Und jetzt dieser Affront. Der Übeltäter war natürlich sofort inhaftiert worden. Leider stand aus wohl rechtshistorischen Gründen auf diesen Verstoß nur eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren. Bei der anschließenden obligatorischen Hausdurchsuchung kam jedoch erst der ganze Umfang des Verbrechens ans Tageslicht. Versteckt in einem Geheimfach fand man Bücher von Hayek, Mises und Rand.

Der diesen Autoren immanente Geist der Diskriminierung hatte das Volk bewogen, dass es solche Literatur nicht mehr besitzen wolle. Höchstpersönlich hatte der Kanzler und Präsident in Personalunion, Dr. hc. Joseph Fischer, diese Bücher 2037 dem Feuer übergeben. Die in diesen Werken zum Ausdruck kommende niedere Gesinnung war zutiefst gesellschaftlich verachtet.

Dr. hc. Fischer bat deshalb den zuständigen Richter, aus diesen Gründen auf die besondere Schwere der Schuld zu erkennen. Er verband diese Bitte mit dem freundlichen Hinweis, dass seit nunmehr über 10 Jahren der Grundsatz gelte, dass wer den Gedanken der Antidiskriminierung nicht umfassend und mit allen Mitteln zur Geltung verhelfe, selbst nach diesem Gesetz bestraft werden könne.

Als kurz darauf das Gericht ein entsprechendes Urteil fällte und den Missetäter zu lebenslanger Haft ohne jede Möglichkeit auf vorzeitige Entlassung verurteilte, konnte Deutschland aufatmen. Die Gerechtigkeit hatte gesiegt. Das Recht hatte gesiegt. Nicht anders konnte es sein. Denn wer kämpft für das Recht, der hat immer Recht. Nun Deutschland, jetzt feiere!